Der Urenkel: Mercedes Coupé 500 SEC

Der C126 ist der Nach-Nachfolger des w111 Coupés. Dazwischen könnte man noch den R107 SLC sehen, wobei manche dieses Auto nicht in der Reihe der „großen Mercedes Coupés“ sehen. Aber er gehört dazu – damals ein Ausreißer (und Flop), aber heute doch gerne gesehen.

Mit dem 500 SEC fing bei mir alles an. Dieses Auto hat es mir schon sehr lange angetan. Ich habe ihn ehrfürchtig erlebt, als die Dinger aktuell waren und mit zu dem Besten gehörten, was man auf deutschen Straßen finden konnte. Damals spendierte ich meinem neuen Hobby keine zweieinhalbtausend Euro und ich hatte einen. Erste Serie von ´83, Silber mit blauen, grau gestreiften Verlourssitzen. Der fuhr auch einwandfrei und machte keine Zicken. Aber so richtig vorzeigbar war das Ding nicht.

So packte mich der Ehrgeiz, verkaufte den SEC (beinahe für das Doppelte) und legte noch etwas drauf. Mit diesem Budget kaufte ich die klassische Variante: schwarz Metallic, schwarzes Leder, passable Ausstattung und aus dem letzten Modelljahr 1991. Der Zustand des Autos war gut, aber natürlich gab und gibt es immer ein paar Stellen, die besser sein könnten.

Einige Jahre war mir der SEC genug. Mehr wollte ich nicht, obwohl ich schon damals mit einem R129 geliebäugelt habe. Aber zwei 500er? Völlig unvernünftig. Mittlerweile sehe ich das gaaaanz anders – einen 500 SL, gerade mal ein Jahr älter, gehört nun zu meinen Lieblings-Spielzeugen.

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Rechts in den 50ern designet und konstruiert, links in den 70ern. Da hat sich ganz schön was getan in diesen 20 Jahren.

Das Fahrverhalten dieses großen Coupés ist vorbildlich. In der Auto Motor Sport von 1981 titelte das Blatt zur Einführung dieses Autos, der SEC sei das Beste Coupé der Welt. Man merkt´s heute noch.

Aber gerade deshalb wurde es etwas langweilig zu fahren. In jedem anderen Auto aus der Zeit würde man vermutlich ein Youngtimer-Feeling entwickeln, im SEC gelang mir das nicht. Er ist alltagstauglich, immer noch zeitlos schön, der 500er zieht sauber durch, sodass man auch den modernen Turbodieseln hinterher kommt und der Komfort im Auto ist perfekt. Auch heute klappert nichts, man hört den 5-Liter V8 nur leise sonor brummeln – mehr als 2.000 U/min schafft man meist sowieso nicht. Erst auf der Autobahn, wenn man vor sich genug Platz hat, dann kann man den SEC brüllen lassen. So schafft der auch völlig mühelos die angegebenen Vmax von 230 km/h. Man hat sogar das Gefühl, da kommt nochmals was. Die Schaltmarke für den dritten Gang ist übrigens bei 220 km/h.

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Sehr schöne Linienführung – auch aus der Vogelperspektive (oder eben vom Balkon aus) betrachtet

Bis heute bin ich ein absoluter Fan dieses großen Coupés. Trotzdem fristet er momentan aus Platzmangel ein Nischendasein. Ich musste ihn auslagern, nachdem ich mir letztes Jahr den lang ersehnten 500 SL (R129) kaufte. Das tut mir wirklich leid ums Auto – aber ich habe das Gefühl, das packt er. Ich hole den SEC nach 6 – 8 Monaten raus aus seinem Exil und fahre ihn 5 Tage lang mit großer Freude – wie im Moment. Ich hoffe natürlich, ich finde irgendwann demnächst bei mir in der Nähe eine weitere Garage. Dann kommt er sofort zurück in die Familie. Versprochen.

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Chrom versus Kunststoff. Eleganz versus bullig. Damals wie heute gehören beide Autos zu den Sternstunden der deutschen Automobil-Kunst.

Mehr über die Technik gibt´s hier nachzulesen und mehr über die Modellgeschichte hier.

Alle Fotos und das Video sind Anfang August 2016 entstanden.

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