Die Kleinigkeiten sind´s.

Die Luxusautos von heute sehen entweder sehr böse, sehr gefährlich, sehr schnell, sehr groß, breit oder hoch aus. Innen dominiert Kunststoff und … iPad-große Displays. In der neuen E-Klasse schaut der Fahrer auf ein  langes mattes Display, auf das man verschiedene Instrumente und Instrumenten-Designs anzeigen kann. Sieht irgendwie nach Spielekonsole aus. Aber gut, jeder wie er mag.

Wie wohltuend ist doch da ein Klassiker gestaltet. Damals kannte man noch weder Ölkrise noch CW-Wert, Verbaute echtes Holz und keine Kunststoff-Aplikationen, verwendete teilweise verschwenderisch viel Chrom, leistete sich Ecken und Kanten und gestalteten den Innenraum auf Übersicht und nicht auf Mäusekino.

In meinem Hundertelfer sind es neben dem grandiosen Fahrzeugdesign auch die Kleinigkeiten, die ich so nett finde. Ein paar davon zeige ich hier:

Außen

Kurze Erklärung dazu (von links nach rechts, aber man erkennt die Bilder schon):

  • Die zweiteiligen Radkappen: Chrome-Zierring mit gewölbter, in Wagenfarbe lackierter Kappe
  • Der ovale, stehende Schweinwerfer mit integriertem Blinker und Nebellicht – früher auch „Triefauge“ genannt
  • Großer Mercedes-Stern mit Mercedes Benz Plakette auf dem Kühler. Er steht senkrecht und ist groß im Vergleich zu den heute kleinen angewinkelten Sternen
  • Kiemenförmiger Lufteinlass unter dem Scheibenwischer mit Chromezierblenden für den Innenram
  • Viel Chrome auch an den Stoßstangen vorne und hinten – in dem Baujahr auch noch ohne Gummipuffer
  • Monochromes, rotes schmales Rücklicht. Recht klein aus heutiger Sicht.
  • Großer verchromter Schriftzug mit einem Hinweis auf die teure „Automatic“ als imagefördernde Maßnahme 😉
  • Ausstellfenster, natürlich mit Chrome-Rand. Die haben bei warmen Tagen die Funktion eines Gebläses in den Innenraum. Sehr angenehm.
  • Verchromte Türgriffe. Überhaupt nicht im Windkanal entwickelt und mit einem (zu) kleinen Knopf zum Öffnen, der schon etwas Krafteinsatz fordert. Eine Beifahrerin bekommt damit nicht immer ihre Türe auf, habe ich festgestellt 😉
  • Schöne Kurven – die geschwungene Motorhaube im Übergang auf die Kotflügel
  • Natürlich die angedeutete Heckflosse, die beim Coupé und Cabrio knubbelig rund gestaltet wurde im Gegensatz zu den spitz auslaufenden Heckflossen der Limousinen
  • Die Tankklappe hinter dem Nummernschild. Man muss beim Tanken den Tankdeckel in eine dafür vorgesehene Vorrichtung legen, damit die Tankklappe nicht wieder zurück schnalzt. Darf geübt werden.

Innen

Auch hier wieder von links nach rechts ein paar Erklärungen:

  • Das große, schöne Bakelit-Lenkrad mit verchromter Spange als Schalter für die Hupe und die lederbezogene „Prallplatte„. Das war Anfang der 60er noch ein Sicherheitsfeature (lindert die Kopfaufprall)
  • Das dünne, ergonomisch geformte Lenkrad ist ein echter Handschmeichler. Fühlt sich gut an. Moderne Lenkräder sind wesentlich dicker und kleiner
  • Drehzahlmesser, der früher gerne Tourenmesser genannt wurde
  • Die Anzeige für die Automatik-Stufen per Lenkradschaltung
  • Die 2 Euro großen Luftdüsen – für einen erfrischenden Luftstrom ins Auto definitiv zu klein. Dafür gibt´s aber die Ausstellfenster
  • Das Tachometer mit Tages- und Gesamtkilometerzähler. Letzterer leider nur fünfstellig. Die Geschwindigkeitsskala geht, wie es sich für ein sportliches Auto gehört, über die magische Grenze von 200 km/h. Diese Geschwindigkeit hatte der Wagen aber vermutlich noch nie „drauf“, nicht einmal bergab bei Rückenwind
  • Die schönen Nadeln in den großen Uhren mit einer feinen roten Linie in der Mitte
  • Die mechanische Uhr, die noch tickt.
  • Das Becker Mexiko im damals üblichen Nadelstreifen-Design. Ein Radio der Superlative. Mit mechanischem Sendersuchlauf, der sogar noch funktioniert.
  • Temperaturregelung Innenraum: Symbole für Luftklappe und Heizung
  • Innenraumlicht, das man einfach abschaltet, in dem man die gerundete kKappe davor schiebt. Für den Fond gibt es ein zweites, das sich per Schalter anknipsen lässt.
  • Der Öffnungsmechanismus für das Stahlschiebedach: runter klappen und am Hebel zurück- bzw. vorziehen und wieder hochklappen bzw. arretieren. Erfordert etwas Krafteinsatz, aber funktioniert noch nach 50 Jahren.
  • Das abschließbare Handschuhfach.
  • Die Handbremse als Rute links unter dem Lenkrad
  • Der Türöffner. Junge Leute erkennen die Funktion dieses Dings nicht, wenn sie im Auto sitzen. Ich hatte es schon häufig, dass sie selbst nicht aus dem Auto kamen 😉
  • Die Tonblende des Radios: mehr Bässe oder mehr Höhen. Quasi eine digitale Entscheidungsmöglichkeit 😉
  • Die Informationszentrale für die Technik: Tankuhr, Öldruck, Wassertemperatur und Kontrolllämpchen für Fernlicht, Zündung, Handbremse
  • Das „Knöpfchen“ fürs Türschloss. Nach vorne – auf. Nach hinten – zu.

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